Literatur
Empirische Literatur
Wie in der Einleitung des Konzepts bereits erwähnt, hat die Geschichte der Schweizer Stickerei-Industrie in letzter Zeit nicht die ihrer Bedeutung entsprechende Beachtung gefunden. Jüngere eigenständige Arbeiten wie sie zu den heute noch erfolgreichen Exportprodukten Uhren und Schokolade oder selbst zur inzwischen in der Schweiz nicht mehr existierenden Seidenbandindustrie vorliegen, gibt es zur Stickerei-Industrie leider nicht.42 Allerdings gibt es zahlreiche Titel mit anderer Ausrichtung, in denen die Stickerei auch vorkommt. Daneben gibt es einige, in ihrer Wissenschaftlichkeit allerdings nicht immer unumstrittene Texte zu Detailfragen oder intensivem lokalgeschichtlichem Bezug. Im Folgenden sollen die für unsere Arbeit wichtigsten Publikationen kurz diskutiert werden.
Zur Geschichte des Kantons St. Gallen ist im Jahr 2003 ein umfangreiches, auch wissenschaftlich wertvolles Werk erschienen. In dessen Bänden zur jüngeren Geschichte ist die Stickerei-Industrie in mehreren Beiträgen Gegenstand. Dasselbe trifft auf ein aufwändig produziertes Ausstellungsbuch des Kunstmuseums St. Gallen von 1989 zu, das Kultur und Kunst der Stadt zwischen 1870 und 1930 porträtiert.43 Interessante Hinweise eher etwas allgemeinerer Art geben Publikationen zur Wirtschaftsgeschichte der Schweiz bzw. des Kantons Appenzell.44 Wichtige Informationen insbesondere zu anderen Zweigen der Textilindustrie enthält eine Publikation von Walter Bodmer zur Entwicklung der Schweizer Textilwirtschaft. Einen stärken regionalen Bezug haben Arbeiten von Albert Tanner zur Industrialisierung in der Ostschweiz, wobei das Interesse der Autors vor allem sozialgeschichtlicher Art ist.45
Obschon das wissenschaftliche Interesse an der Stickerei-Industrie deutlich nachgelassen hat, entstanden in letzter Zeit auch einige Hochschulschriften, die einen mehr oder weniger deutlichen Zusammenhang zur Schweizer Stickerei erkennen lassen. So liegen Arbeiten etwa zum Verband Schweizerischer Schiffli-Lohnstickereien, zu wirtschaftlichen Strukturveränderungen in der Ostschweiz insgesamt und einem Rheintaler Bezirk, zur Geschichte des Appenzeller Unternehmertums und zu den Zusammenhängen zwischen Industrialisierung und Eisenbahnbau unter anderem am Beispiel der Stickerei-Industrie vor.46 Keinen oder einen geringeren wissenschaflichen Anspruch haben die in der Regel anlässlich grosser Jubiläen erschienenen Publikationen von Unternehmen. In diesem Kontext verdient ein von Hans-Ulrich Wipf und anderen verfasstes Werk zur Geschichte der Firma Saurer eine separate Nennung. Die hochwertige Studie zur früheren (und heutigen) Stickmaschinenproduzentin enthält zahlreiche kaum zugängliche Informationen.47 Schliesslich liegen zahlreiche Einzelfragen beleuchtende Arbeiten vor, die häufig in Periodika mit lediglich regionaler Ausstrahlung erschienen sind. Dabei handelt es sich etwa um Texte zu Ferggern, Mustern oder Akteuren der Stickerei.48
Theoretische Literatur
Zur Erklärung des wirtschaftlichen Wandels bedienen wir uns ausgewählter Ansätze aus der Modernen Wachstumstheorie, aus der Aussenhandelstheorie und aus der Wirtschaftsgeografie. Welche Texte in der Arbeit tatsächlich diskutiert werden und dadurch bei der Formulierung des Modells potenzieller Faktoren sowie durch ihre Aussagen zu Kausalbeziehungen auch zur Erklärung herangezogen werden, lässt sich zur Zeit noch nicht definitiv beurteilen. Die folgenden Hinweise sind daher äusserst provisorisch.
Aus dem Feld der Modernen Wachstumstheorie möchten wir Texte aus der neoklassischen Theorietradition ebenso berücksichtigen wie heterodoxe Ansätze.49 Von Letzteren sind etwa evolutionsökonomische Arbeiten interessant, da in ihnen in der Regel mit weniger restriktiven Annahmen gearbeitet wird. Im Bereich der Aussenhandelstheorie wollen wir neuere Studien in Anlehnung an David Ricardos Konzept des komparativen Vorteils und Texte aus der Neuen Ökonomischen Geografie diskutieren.50 Da in viele Studien nur mit der Angebotsseite argumentiert wird und wir dieses Vorgehen für wenig überzeugend halten (vgl. die Abschnitte zum Modell potenzieller Faktoren), interessieren uns gerade auch Ansätze, in denen die Bedeutung der Nachfrage betont wird.51 Im Bereich wirtschaftsgeografischer Theorien schliesslich werden wir uns voraussichtlich mit Exportbasis-Theorien, Theorien der endogenen Entwicklung und Wachstumspolkonzepten auseinandersetzen.52
Stand: 20. Mai 2009
| 42 | Vgl. zu den erwähnten Industrien: Rossfeld (2007) ; Pasquier (2008); Amstutz (2002). |
| 43 | Amt für Kultur des Kantons St. Gallen (2003a, 2003b, 2003c); Kunstmuseum St. Gallen (1989). |
| 44 | Z.B. Bergier (1990); Schläpfer (1984); Witschi (2007). |
| 45 | Bodmer (1960); Tanner (1982, 1985). |
| 46 | Z.B. Heuscher (1993); Baumann (1998); Schwendener (1987); Holderegger (1992); Mauerhofer (2006). |
| 47 | Wipf / König / Knoepfli (2003). Andere: Hochuli (1977); Forrer (2002); Mettler & Co. AG (1970). |
| 48 | Z.B. Spycher (2003); Karbacher (2007); Roth (2006). |
| 49 | Neoklassische Theorietradition: z.B. Solow (1956), Romer (1990), Weil (2005), Howitt/Weil (2008). Heterodoxe Ansätze: z.B. Schumpeter (1926), Nelson/Winter (1982), Hanusch/Pyka (2007). |
| 50 | In Anlehnung an Ricardo z.B. Porter (1990), in der Neuen Ökonomischen Geografie z.B. Krugman (1992). |
| 51 | Vgl. z.B. Linder (1961). |
| 52 | Vgl. Schätzl (2001), 149-157 und 182-189. |